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Absage ans Patriarchat, Proklamation der Frauenemanzipation und der Frauenrechte, Wunsch nach Geschlechtergleichberechtigung, Ko-Existenz von Sex und Gender sind Motive, die man sicher – auf den ersten Blick – mehr in der modernen oder gegenwärtigen Frauengeschichte und feministisch orientierten Literatur als in Friedrich Hebbels Kunst untersuchen und finden kann. Wenn man sich an die Geschichte der Hebbel-Rezeption erinnert, kann man nicht übersehen, dass man sich in den 1950er und 60er Jahren insbesondere um den Riss zwischen Theorie und Tragödie, und in den 1970er und die 80er Jahren mehr um die Individualität der dramatischen Gestalten gekümmert hat. All das aber immer nur unter harten ideologiekritischen Vorzeichen und mit Bezug auf Freuds Interpretationen, die Hebbels dramatische Frauenfiguren als Opfer einer patriarchalen Welt darstellten. Nie wurden Hebbels Heldinnen Objekt einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung im Sinne einer geschlechtsspezifischen d.h. Gender-orientierten Analyse.
Die vielen unterschiedlichen Beiträge dieses Bandes bestätigen, dass Hebbels literarisch-dramatische Anstrengungen, die Geschlechterbeziehung zwischen Mann und Frau im Text oder auf der Bühne spielen zu lassen, sich gerade in die Richtung der von der Genderforschung fokussierten Problematik entwickeln.