Zum Inhalt
Die vorliegenden Vorträge wurden anlässlich eines internationalen Seminars (18. bis zum 22. April 2005 an der Universität Complutense in Madrid und an der Universität Salamanca) von Professorinnen und Professoren verschiedener europäischer Universitäten gehalten. Von unterschiedlichen Perspektiven ausgehend, wurden in den Sitzungen viele mit dem Hauptthema zusammenhängende Fragen erörtert, und zur Diskussion gestellt. Ziel der Tagung war, Germanisten aus verschiedenen europäischen Ländern, die sich schon lange mit der Literatur der deutschen Schweiz beschäftigen, zusammenzubringen und ein kreatives Gespräch anzuregen, bei dem die verschiedenen Positionen und Arbeitsweisen im Rahmen eines vereinten Europas, zu dem die Schweiz noch nicht gehört, dargestellt werden können.
Der Begriff „Multikulturalität“ scheint dem Begriff der Enge zu trotzen, der die Schweiz kennzeichnen soll. Ein Land, in dem vier Sprachen gesprochen werden, scheint fast notwendig ein multikulturelles Land zu sein. Der Austausch zwischen den Kulturen kommt aber schwer zustande. Dazu kommt, dass viele Schweizer Schriftsteller keine geborenen Schweizer sind. Die Sprache der Kindheit ist nicht die Sprache der Schrift (z.B. Ilma Rakusa). Die Schweiz ist für Paul Nizon eine unerwünschte Mutter, wie in Hermann Burgers Roman Die künstliche Mutter. Die Verpflanzung aus der Schweiz bringt so wenig das Glück mit sich wie die Verpflanzung in die Schweiz. Die Konzentration in einem kleinen Raum ist kein Zeichen einer gelungenen Existenz, sondern eher der utopische Versuch, eine Welt aus Worten zu bauen.