Contents
1873 publizierte der Oxforder Philologe und Kunstphilosoph Walter Horatio Pater (1839-1894) sein erstes Buch – eine Sammlung von Künstlerporträts, die unter dem Titel „Die Renaissance – Studien in Kunst und Poesie“ zu einem Gründungsdokument des europäischen Ästhetizismus wurden. Pater brach in seinem Hauptwerk mit der formalistischen, moralischen und religiösen Strenge seiner Zeit, um dem subjektiven Genuß von Kunst und Leben zu neuer Freiheit zu verhelfen. Paters berühmtester Schüler war Oscar Wilde. Freud, Hofmannsthal, Lukács und Rilke waren seine begeisterten Leser. 1902 erschien „Die Renaissance“ auf Deutsch im experimentierfreudigen Diederichs-Verlag in der Übertragung von Wilhelm Schölermann.
Im Dezember 2000 schrieb Lothar Müller in der FAZ unter dem redaktionellen Leitsatz „Vergriffene Bücher, die wir am Heiligen Abend unter viele Weihnachtsbäume wünschen“: „Wer Paters Renaissance hierzulande aus dem Orkus des Vergriffenen befreit, wird am Ende mit einem der schönsten Essays über Johann Joachim Winckelmann belohnt“.
Beinahe hundert Jahre nach der letzten Veröffentlichung im deutschen Sprachraum liegt die hochwertige Übertragung Schölermanns nun in einer Neuausgabe vor – kritisch durchgesehen und ergänzt um einen kulturhistorischen Essay sowie eine Skizze zu Leben und Werk des vergessenen Wilhelm Schölermann von Sven Brömsel und Viktor Otto.