Zum Inhalt
Kinder und Jugendliche wurden nach dem 30. Januar 1933 entweder aus ethnischen Gründen, insbesondere wegen ihrer jüdischen Abstammung, in Deutschland und in den annektierten und okkupierten Ländern verfolgt, oder aber sie wurden wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung oder der ihrer Eltern zu Gegnern des nationalsozialistischen Regimes, leisteten Widerstand, "tauchten unter", flüchteten ins Exil und hatten evtl. die Chance zu überleben, ein neues Leben zu beginnen. Nur ein Zufall, eine getroffene Entscheidung, ein glücklicher Umstand, eine richtige oder falsche Einschätzung oder ein bestimmter Ort und Zeitpunkt entschieden über Leben oder Tod.
In dem vorliegenden Sammelband werden Erfahrungen der als Kind erlebten Ausgrenzung, Verfolgung, Entwurzelung und Akkulturation bearbeitet. Vorgestellt werden zum einen aktuelle Forschungsprojekte, die sich mit der Rettung von Kindern, mit Traumatisierungen und individuellen Verarbeitungsformen der Überlebenden und mit pädagogisch-politischen und fürsorgerischen Initiativen im Exil befassen. Zum anderen wird die Rezeption einer Vielzahl dokumentarischer und literarischer Zeugnisse von Betroffenen kritisch untersucht und die Problematik der Mythologisierung und Kommerzialisierung am Beispiel des Tagebuchs der Anne Frank erörtert. Die dadurch aufgeworfenen Fragen nach der Ethik der Erinnerung und der Vermittlung von Erfahrungen an die nachkommenden Generationen werden darüber hinaus anhand von Projekten aus der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen über die NS-Zeit und das Exil konkretisiert.