Zum Inhalt
In einer Zeit, in der „Reform“ rabiaten Kultur- und Sozialabbau bedeutet, und solcher Rückschritt wiederum von Kräften vertreten wird, die sich „Modernisierer“ nennen und dergleichen als „Modernisierung“ propagieren bzw. „verkaufen“, gerät die Moderne, die rückschrittlichen Kräften stets verdächtig war, generell und mit rückwirkender Kraft in zusätzliches Zwielicht.
Der vorliegende Band, der erste von insgesamt vier Bänden, versucht in einem weit gefächerten, differenzierten interdisziplinären Herangehen dieses Zwielicht zu erhellen und die Konturen dessen, was Moderne und Antimoderne konkret waren und sind, möglichst deutlich in historischer Dimensionierung anhand von Modellen herauszuarbeiten und stofflich wie methodisch-begrifflich die Kategorie der Moderne genauer zu fassen. Vom Gegenstand her steht dabei, dem vom Herausgeber vertretenen Fach entsprechend, Musik im Mittelpunkt. Bildende Künste sowie Literatur und Film ergänzen in diesem Band das Spektrum der Künste. Eingebettet ist dieser kunst- und kulturgeschichtliche Ansatz in Allgemeingeschichte, mit politologischer, soziologischer, sozialgeschichtlicher Akzentuierung.
Vom historischen Gegenstand her ist der deutsche Faschismus als „reaktionäre Modernisierung“ ein Zentrum der Untersuchungen. Von der Gegenwart her wie von dieser Vergangenheit, deren Aktualität zu erweisen es nicht des 60en Jahrestages von Kriegsende und Befreiung bedürfte, mag das Buch mindestens indirekt auch zur Erhellung zukunftsweisender Perspektiven beitragen: Die gegenwärtig herrschende Form der Moderne ist nicht die einzige Möglichkeit eines Fortschritts, der sozial und nicht wirtschaftsliberal, humanistisch und nicht technokratisch zu fassen wäre.