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Elias Canetti und Yves Navarre – zwei prominente europäische Schriftsteller blicken auf Deutschland.
1921: Der jugendliche Elias Canetti wird von seiner Mutter aus der idyllischen Schweiz in das durch den Versailler Vertrag gedemütigte Deutschland verbannt. Während seiner Frankfurter Schulzeit beobachtet er die Gesellschaft der jungen Weimarer Republik. Seine Eindrücke verarbeitet er später in Die Fackel im Ohr (1980). Aus Tischnachbarn, Lehrern und Mitschülern werden durch raffinierte Decknamen literarische Karikaturen, deren Spuren Richard Brütting in seiner Analyse nachgeht, so etwa denen von Canettis Deutschlehrer, dem späteren Archivar und NS-Funktionär Harry Gerber.
1983: Der Prix Goncourt-Träger Yves Navarre begibt sich auf Vortragsreise durch die Bundesrepublik. Das Tagebuch – übersetzt und kommentiert von Brütting – dokumentiert seine Erfahrungen, darunter seine Auseinandersetzung mit dem Repräsentanten der „Konstanzer Schule“, Hans Robert Jauss. Dessen doppelte Biographie als SS-Offizier und akademische Autorität erinnert an Canettis Deutschlehrer.
Historisch eingeordnet, bilden Canettis und Navarres Texte komplexe Momentaufnahmen erlebter deutscher Geschichte.