Contents
Die Räume der „Roma“ sind so heterogen wie die Minderheit selbst. Sidonia Bauer stellt sie in ihrer Vielgestaltigkeit vor: Die sozialen, durch menschliches Handeln produzierten Raumtypen reichen vom Desideratum des locus romano als lieblichem, vertrauten und wertvollen Raum bis zur realen, oft tristen städtischen Peripherie. Ausnahmeräume sind „Lager“ und Gefängnisse, von der Gran Redada bis zum Nationalsozialismus. In einem soziopoetischen Ansatz ergründet die Autorin die Raumtypen ausgehend vom literarischen Text. Sie analysiert Roma-Literatur und Fremdrepräsentationen des 19., 20. und 21. Jahrhunderts aus Frankreich, Spanien und Italien. Darin spielen die Natur als Quelle der Inspiration und heilsame Kraft und die Bewegungsfreiheit durch das mobile Habitat eine besondere Rolle. Letztere ist gleichbedeutend mit Lebensqualität und Selbstbestimmtheit der Frau. Der locus romano wird so zu einem existenziellen und universell begreifbaren Modell für ein Zusammenleben außerhalb der sesshaften und städtischen Gesellschaften.