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Im Doppelzyklus der Odessaer Sonette und der Krimsonette (1826) entwirft Adam Mickiewicz (1798–1855) die „Geschichte“ eines jungen Dichters. Dieser lässt Liebesaffären und seine neu-petrarkistische Poesie hinter sich, um durch die Erfahrung der exotischen Natur und Kultur der Krim zu neuer, tiefgehender Inspiration zu gelangen. Versteckt in den Sonetten findet sich die Verbindung der Krim zum einst polnisch-litauischen Großfürstentum Litauen. Die Krim war bereits 1783 von Russland annektiert worden, während die Heimat Mickiewiczs erst 1795 ins Russische Reich eingegliedert wurde. Nach seiner Verbannung 1824 lebte der junge Patriot fünf Jahre in Moskau und Sankt Petersburg, von wo er nach Odessa und auf die Krim reiste. Der polnische Text reproduziert die Moskauer Erstausgabe von 1826. Rolf Fieguths neue, reimlose Übersetzung ist auf große Nähe zu den Farben und Stimmungen des Originals und auf metrisch-rhythmische Klangwirkung bedacht. Sie wird durch Peter Cornelius’ gereimte Nachdichtung (1868) und Texte aus dem Umkreis der Sonette ergänzt.