Zum Inhalt
Die Gaunersprache fenja ist ein Phänomen: Sie ist an den Rand der russischen Sprache gedrängt worden und dennoch in allen gesellschaftlichen Schichten präsent. So verbindet sie sprachliche Besonderheit mit sozialer Dynamik. Literarische Texte spielten bei ihrer Bekämpfung und Verbreitung eine zentrale Rolle und prägen ihr öffentliches Bild. Serafima König unternimmt eine hermeneutische (Übersetzungs-)Analyse dreier literarischer Texte, die das Spannungsfeld unterschiedlicher Perspektiven sichtbar macht: die Binnen-Außen-Perspektive des ehemaligen politischen Gefangenen Varlam Šalamov, die Binnen-Binnen-Perspektive des ehemaligen Berufsverbrechers Michail Dëmin und die Außen-Außen-Perspektive des zeitgenössischen Autors Viktor Pelevin. Sie nimmt zudem die Perspektiven der Übersetzer:innen und die translatorischen Herausforderungen im Umgang mit fenja in den Blick. Im Ergebnis zeigt sie die Vielschichtigkeit von fenja in der pragmatischen und literarischen Verwendung sowie die Vielfalt an Übersetzungsmöglichkeiten.