Zum Inhalt
Die Philologie kann auf eine große wissenschaftliche Tradition zurückblicken, hat im Laufe der Zeit selbstbewusst ein großes Arsenal spezifischer Methoden entwickelt und bedient sich einer eigenen Rhetorik. Die Philologie gilt seit jeher als eine pflegende, kritische und kontrollierende Tätigkeit. Sie konzentriert sich auf Kritik und Quellenforschung: Die Dokumentation des Befundes steht im Mittelpunkt des Interesses. Erforschen und Sammeln sowie Klassifizieren, Kommentieren und Charakterisieren umschreiben die Arbeitsfelder des Philologen. Philologische Tätigkeit hatte immer auch das Ziel, im interdisziplinären Verbund die Geschichtlichkeit von Texten zu bewahren und sie damit für eine Interpretation von Geschichte zugänglich zu machen. Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Indizien, die Anlass geben, von einer ‚Re-Philologisierung‘ in den Literatur- und Kulturwissenschaften zu sprechen. Gerade deshalb ist es wichtig, aus interdisziplinärer und internationaler Perspektive eine Bestandsaufnahme der Leistungen bzw. Leistungsmöglichkeiten der Philologie vorzunehmen. Dabei ist es notwendig, die Philologie nicht nur unter dem Aspekt ihrer Grundlagenfunktion zu betrachten, sondern auch ihr Potential für interpretative Perspektiven zu berücksichtigen. Weiterhin ist nach dem transdisziplinären Potential zu fragen, das die Philologie in die verschiedenen Diskurse einbringen kann. Diesen Fragen versucht der Band „Die Herkulesarbeiten der Philologie“ nachzugehen, wohl wissend, dass damit die Probleme nur angerissen und keineswegs gelöst werden können. Wissenschaftler aus Frankreich, Belgien, Deutschland und den Niederlanden haben sich zu einem Gespräch über Philologie bereitgefunden, in dem neben der Darstellung exemplarischer Fallbeispiele und einer Konturierung fachspezifischer Horizonte auch die Entwicklung zukunftsorientierter Fragen in den Fokus genommen wird.